Erbschaftssteuerrechner: Höhe im Online-Rechner ermitteln

  Autor: Dr. jur. Stephan Seitz
Erbschaften, Vermächtnisse, Schenkungen auf den Todesfall und Pflichtteilsansprüche sind steuerpflichtig. Sie zahlen also als gesetzlicher, testamentarisch oder in einem Erbvertrag bedachter Erbe, Vermächtnisnehmer und Pflichtteilsberechtigter Erbschaftssteuer und im Fall einer Schenkung zu Lebzeiten des Erblassers Schenkungsteuer. Da das Steuerrecht aber hohe Freibeträge gewährt, fällt die Erbschaftssteuer meist nur bei größeren Vermögen an.
 
Die Höhe der Erbschaftssteuer hängt vom Grad der Verwandtschaft zum Erblasser und des Vermögenswerts des Nachlasses ab. Je enger das Verwandtschaftsverhältnis und je geringer der Wert des Nachlasses, desto niedriger ist die Erbschaftssteuer. Die Bemessung der Erbschaftssteuer folgt eigenständigen Kriterien und ist unabhängig davon zu verstehen, in welcher Erbordnung des Erbrechts (Erben 1. Ordnung, 2. Ordnung pp) Sie stehen.
 
Die Höhe der Erbschaftssteuer hängt vom Grad der Verwandtschaft zum Erblasser und des Vermögenswerts des Nachlasses ab. Je enger das Verwandtschaftsverhältnis und je geringer der Wert des Nachlasses, desto niedriger ist die Erbschaftssteuer. Die Bemessung der Erbschaftssteuer folgt eigenständigen Kriterien und ist unabhängig davon zu verstehen, in welcher Erbordnung des Erbrechts (Erben 1. Ordnung, 2. Ordnung pp) Sie stehen.
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Zusammenhänge Erbschaftssteuer, Einkommensteuer, Schenkungsteuer

Die Erbschaftssteuer steht nicht im Zusammenhang mit der Einkommensteuer. Für die Besteuerung einer Erbschaft ist es gleichgültig, ob Sie Einkommen im Sinne des Einkommensteuerrechts erzielen und in welcher Steuerklasse sowie in welcher Höhe Sie Ihr Einkommen versteuern. Die Erbschaftssteuer erhöht auch nicht Ihr zu versteuerndes Einkommen, sondern wird eigenständig nach Erbschaftssteuerklassen und Steuersätzen bemessen.
 
Die Erbschaftssteuer ist im Hinblick auf die Steuerklassen, die Freibeträge und die Steuersätze mit denen der Schenkungsteuer identisch. Erbschaftssteuern und Schenkungssteuern sind im Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG) geregelt. Eine Ausnahme besteht im Hinblick auf Eltern und Großeltern des Erblassers. Im Erbfall beträgt der Freibetrag 100.000 €, im Fall einer Schenkung nur 20.000 €.
 
Erbschaftssteuern fallen nur im Todesfall des Erblassers an, während Schenkungssteuern Schenkungen zu Lebzeiten des Erblassers betreffen. Ein wichtiger Unterschied zwischen Erbschaftssteuer und Schenkungsteuer besteht darin, dass sich durch wiederholte Schenkungen alle zehn Jahre unter Ausnutzung der jeweils geltenden Freibeträge Vermögenswerte bereits zu Lebzeiten schenkungssteuerfrei vor allem auf Ehegatten, Kinder und Enkel übertragen werden lassen. Die Freibeträge im Erbfall kommen hingegen nur einmalig zur Anwendung. Bei einer Schenkung zu Lebzeiten hingegen kann der Freibetrag mehrmals ausgenutzt werden, da dieser alle zehn Jahre neu gewährt wird. Erfolgt also eine weitere Schenkung oder der Erbfall erst zehn Jahre nach einer Schenkung, leben die Freibeträge wieder von Neuem auf.

Steuerklassen und Freibeträge

Steuerpflichtig ist nicht der Erblasser, sondern die Person, die durch den Nachlass begünstigt wird. Im Detail:
  • Das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG) teilt die Begünstigten einer Erbschaft oder eines Vermächtnisses in die Steuerklassen I, II III ein.
  • Die Steuerklasse I ist die günstigste, die Steuerklasse III ist die schlechteste Steuerklasse. Die Steuerklassen im Erbrecht haben nichts mit den Lohnsteuerklassen im Einkommensteuerrecht zu tun.
  • Die Steuersätze bewegen sich je nach Steuerklasse zwischen 7 und 50 %.
  • In Abhängigkeit vom Grad der Verwandtschaft gewährt das Erbschaftssteuerrecht unterschiedlich hohe Freibeträge.
  • Vermögenswerte, die die Freibeträge, Versorgungsfreibeträge und Steuerbefreiungen übersteigen, unterliegen der Steuerpflicht.
  • Die Erbschaftssteuer wird für den Erben und den Vermächtnisnehmer mit dem Tod des Erblassers fällig, für den pflichtteilsberechtigten Erben, wenn er den Pflichtteil geltend macht. Ist eine Person durch eine Auflage begünstigt, wird die Erbschaftssteuer fällig, wenn der durch die Auflage Begünstigte die Leistung erhält.
  • Sind Sie Vorerbe, sind Sie für die auf Ihren Erwerb entfallende Vorerbschaft Steuerschuldner und haben die Steuer aus Mitteln der Vorerbschaft zu entrichten.
  • Solange der Nachlass nicht auseinandergesetzt ist, haftet der Nachlass selbst für die aus dem Erbfall anfallende Erbschaftssteuer. Das Finanzamt kann sich direkt an die Erben halten, sich aber auch unmittelbar aus dem Nachlass befriedigen und zwar in Höhe der Summe aller aus dem Erbfall auf die einzelnen Erben entfallenden Beträge. Nach Teilung des Nachlasses schulden dann nur noch die einzelnen Erben die Erbschaftssteuer.

Steuerklassen

Person Freibetrag Erbschafts-steuerklasse
Ehegatten, eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner 500.000,– EUR I
Kinder und, wenn diese bereits verstorben sind, Enkel 400.000,– EUR I
Enkel, dessen Vater/Mutter (jeweils Kind des Erblassers) noch lebt 200.000,– EUR I
Eltern und Großeltern, Urenkel und deren Abkömmlinge 100.000,– EUR I
Geschwister, Neffen, Nichten, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehegatten 20.000,– EUR II
Sonstige Erben (Bekannte, Paare ohne Trauschein, Lebensgefährte) 20.000,– EUR III

Steuersätze für Erbschaften

Wert des Erbes (nach Abzug der Freibeträge) Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
bis 75.000,– EUR 7% 15% 30%
bis 300.000,– EUR 11% 20% 30%
bis 600.000,– EUR 15% 25% 30%
bis 6.000.000,– EUR 19% 30% 30%
bis 13.000.000,– EUR 23% 35% 50%
bis 26.000.000,– EUR 27% 40% 50%
ab 26.000.000,– EUR 30% 43% 50%

Weitere Vergünstigungen im Erbfall

Versorgungsfreibeträge

Ehepartner, eingetragene Lebenspartner sowie jüngere Kinder erhalten über den persönlichen Freibetrag hinaus beim Bezug von Renten und Pensionen noch einen besonderen Versorgungsfreibetrag. Der Freibetrag im Erbfall beträgt für Ehegatten 256.000 €, für Kinder bis zu 5 Jahren 52.000 € und sinkt für Kinder bis 27 Jahre auf 10.300 €.

Steuerbefreiungen

Personen der Steuerklasse I können Haushaltsgegenstände (Hausrat) bis zum Wert von 41.000 € und andere bewegliche Gegenstände, z.B. Kunstgegenstände, Sammlungen, Pkw, Schmuck bis zum Wert von 12.000 € steuerfrei erben. In den Steuerklassen II und III beträgt der Freibetrag für Haushaltsgegenstände 12.000 €. Sofern Sie Vermögenswerte innerhalb von 24 Monaten an eine gemeinnützige Stiftung übertragen, werden Sie von der Erbschaftssteuer gänzlich befreit.

Familienwohnheim

Das Familienwohnheim (Haus, Eigentumswohnung) bleibt beim Ableben des Erblassers für den Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner steuerfrei, wenn er/sie die Immobilie zehn Jahre lang selbst bewohnt. Auf den Verkehrswert oder den ehelichen Güterstand (Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung) kommt es dabei nicht an. Gleiches gilt für ein Kind oder ein Enkelkind, dessen Elternteil vorverstorben ist, sofern die Wohnfläche 200 m² nicht übersteigt. Fällt Erbschaftssteuer an, kann die Steuer auf Antrag zur Vermeidung des Verkaufs bis zu zehn Jahre gestundet werden.
 
Wichtig: Der Erblasser muss die Immobilie bis zu seinem Ableben zu eigenen Wohnzwecken genutzt haben oder aus zwingenden Gründen (Betreuung im Pflegeheim) an einer Selbstnutzung gehindert gewesen sein. Auch der Erwerber muss die Immobilie zu eigenen Wohnzwecken nutzen. Gibt er die Eigennutzung vor Ablauf der Zehnjahresfrist auf (Vermietung, Verkauf) entfällt rückwirkend die gesamte Steuerbefreiung, es sei denn, dass der Erwerber durch zwingende Gründe (Umzug in ein Pflegeheim) an der Eigennutzung gehindert war. Bei der Übertragung an Kinder ist nur der anteilige Wert der Immobilie, der einer Größe von 200 m² entspricht, steuerfrei.

Wie werden Nachlasswerte bewertet?

Die Erbschaftssteuer berechnet sich nach dem Wert des Nachlasses. Für die Bewertung gibt es besondere Vorschriften im Erbschaftssteuergesetz und dem Bewertungsgesetz. Der Stichtag für die Bewertung ist der Zeitpunkt des Erwerbs, was beispielsweise bei Wertpapieren erhebliche Auswirkungen haben kann, wenn sich der Wert von Tag zu Tag verändert.
 
Grundsätzlich werden alle Vermögensgegenstände nach ihrem Verkehrswert bewertet, also dem Wert, der bei einer ordnungsgemäßen Veräußerung des Gegenstandes zu erzielen wäre. Für Grundstücke, Betriebsvermögen und Anteile an Kapitalgesellschaften ermittelt das Finanzamt den Verkehrswert. Soweit Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind, sollten Sie ein Gegengutachten erstellen lassen. Soweit für die Bewertung keine Anhaltspunkte bestehen, sollte im Zweifel bei Antiquitäten, Gemälden oder Schmuck ein Sachverständiger einbezogen werden.

Wie werden Verbindlichkeiten (Schulden) berücksichtigt?

Sind aus dem Nachlassverbindlichkeiten (Schulden) zu bedienen, mindern diese den Wert des Nachlasses und beeinflussen damit auch den eventuellen Anfall der Erbschaftssteuer.

Erblasserschulden

Die zum Todeszeitpunkt bestehenden Schulden des Erblassers, die der Erblasser zu Lebzeiten selbst begründet hatte, vermindern den Wert des Nachlasses (Immobilienfinanzierung, Autokredit).

Erbfallschulden

Über die reinen Erblasserschulden hinaus vermindern auch die Verbindlichkeiten, die erst aus Anlass des Erbfalls entstehen, den Wert des Nachlasses. Im Detail:
  • Beerdigungskosten oder Kosten der Feuerbestattung einschließlich Kosten der Grabstätte, Grabstein, Urnenbestattung. Kosten für Trauerfeierlichkeiten, Traueranzeigen und Danksagungen, nicht aber die Kosten für Trauerkleidung und Anreise von Angehörigen.
  • Dreißigster: Eine Person, die mit dem Erblasser in einem gemeinsamen Haushalt gelebt und von ihm/ihr unterhalten wurde, kann für die ersten 30 Tage nach dem Todesfall von den Erben weiter Unterhalt im bisherigen Umfang verlangen sowie für diese Zeit in der Wohnung bleiben und alle Haushaltsgegenstände weiter benutzen.
  • Ehegatten-Voraus: Der überlebende Ehe- oder Lebenspartner erhält vorab und zusätzlich zum Erbteil die zum gemeinsamen Haushalt gehörenden Gegenstände und auch das gemeinsam genutzte Familienauto, nicht aber Gegenstände, die dem persönlichen Gebrauch des Verstorbenen dienten, wie beispielsweise Schmuck oder ein rein beruflich genutztes Auto.
  • Pflichtteilsansprüche
  • Vermächtnisse, die der Erbe zu erfüllen hat
  • Auflagen, die der Erbe auszuführen hat
  • Ausbildungsanspruch von Stiefkindern
  • Unterhaltsanspruch der werdenden Mutter
  • Kosten gerichtlicher Sicherungsmaßnahmen
  • Kosten der Testamentseröffnung
  • Gebühren für die Tätigkeit eines Nachlasspflegers, Nachlassverwalters und Testamentsvollstreckers
  • Erbschaftssteuer
  • Hat der Erblasser Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts bezogen (z.B. Arbeitslosengeld II), so trifft den Erben eine Rückzahlungspflicht für die in den letzten zehn Jahren vor dem Erbfall erhaltenen Zahlungen, wenn diese mehr als 1.700 € betrugen. Das bisherige Schonvermögen verliert die Eigenschaft mit dem Tod des Erben als Sozialleistungsempfänger. Die Ersatzpflicht ist auf den Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt des Erbfalls begrenzt. Ehe- und Lebenspartner können bis zu 15.300 € ohne Abzüge behalten. Gleiches gilt für Verwandte, die mit dem Erblasser dauerhaft zusammengelebt und ihn/sie gepflegt haben.

Müssen Sie eine Erbschaftssteuererklärung abgeben?

Grundsätzlich sind Sie als Erbe, Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigten verpflichtet, den Erwerb innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis des Erbfalls dem Finanzamt anzuzeigen (§ 30 ErbStG). Diese Anzeigepflicht besteht nicht, wenn der Erwerb auf einem notariellen oder bei Gericht hinterlegten Testament oder Erbvertrag beruht und das Gericht oder der Notar von Amts wegen den Erwerb beim Finanzamt anzeigt.
 
Beachten Sie: Als Erbe sind Sie der Rechtsnachfolger des Erblassers. Sie treten damit auch in dessen steuerliche Pflichten ein. Sofern Sie nicht versteuertes Auslandsvermögen feststellen, sollten Sie die Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige ins Auge fassen. Lassen Sie sich dazu unbedingt rechtlich oder steuerlich beraten.
 
Die Erbschaftsteuerstellen erteilen als Empfänger der Anzeigen von Banken und Vermögensverwaltern den jeweils für die Besteuerung des Einkommens zuständigen Finanzämtern auf jeden Fall Kontrollmitteilungen, sofern der erbschaftsteuerliche Bruttowert, welcher als „Anteil an den hinterlassenen Vermögenswerten ohne Abzug der Erblasserschulden zuzüglich des Wertes der sonstigen Erwerbe“ definiert ist, mehr als 250.000 € beträgt.