Pflichtteilsrechner: Gesetzlichen Pflichtteil berechnen

  Autor: Dr. jur. Stephan Seitz
Mit dem Pflichtteil sichert der Gesetzgeber Kindern, Eltern und Ehegatten des Erblassers eine Mindestbeteiligung am Nachlass. Das Pflichtteilsrecht kommt dann zum Zuge, wenn ein gesetzlicher Erbe infolge einer Verfügung von Todes wegen (Testament, Erbvertrag) von der Erbfolge ausgeschlossen wird und zugleich pflichtteilsberechtigt ist. Sind Sie als Erbe pflichtteilsberechtigt oder möchten Sie als Erblasser das Pflichtteilsrecht Ihrer Angehörigen einschätzen, sollten Sie wissen, nach welchen Kriterien sich das Pflichtteilsrecht beurteilt.

Erbengemeinschaft so schnell wie möglich verlassen?

  • Ihren Erbanteil können Sie jederzeit und völlig unangekündigt verkaufen; Sie müssen keine Erlaubnis der Miterben einholen
  • Sie verlassen mit dem Verkauf die Erbengemeinschaft und bekommen den Verkaufserlös auf Ihr Konto
  • Schnelle Hilfe: Wenige Unterlagen genügen und Sie erhalten innerhalb von 48 Stunden eine Rückmeldung - unter Umständen sogar mit direktem Verkaufsangebot für Ihren Erbteil
  • Kostenfrei und 100% unverbindlich
Diesen Rechner bewerten

Bislang keine Bewertungen

Inhaltsverzeichnis: Darum geht es auf dieser Seite

Wer ist pflichtteilsberechtigt?

Nicht jeder, der nach der gesetzlichen Erbfolge als Erbe in Betracht kommt, ist auch pflichtteilsberechtigt. Pflichtteilsberechtigt sind nach dem Gesetz nur die Kinder des Erblassers, seine eigenen Elternteile und der noch lebende Ehepartner oder der eingetragene Lebenspartner. Zu den Kindern gehören eheliche als auch nichteheliche Kinder sowie adoptierte Kinder, nicht aber Stiefkinder. Hat der Erblasser eine dieser Personen mit einer Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, besteht dennoch Anspruch auf den Pflichtteil.

Wichtig zu wissen: Der Pflichtteilsanspruch entsteht immer erst mit Eintritt des Erbfalls, also dem Tod des Erblassers. Pflichtteilsberechtigte Erben haben kein Recht, bereits zu Lebzeiten des Erblassers ihren Pflichtteil zu fordern. Es bleibt ausschließlich im Ermessen des Erblassers, was er mit seinem Vermögen anstellt, ob er Vermögenswerte verschenkt, verjubelt, spendet oder eben für den Nachlass bewahrt.

Zu Lebzeiten des Erblassers hat ein potentieller Pflichtteilsberechtigter auch keinen Anspruch auf Einsicht in das Grundbuch. Daran ändert auch nichts das besonders nahe Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser oder der Verweis auf familiäre Gründe (BayOLG, Az. 2 Z 171/97).

Wer ist nicht pflichtteilsberechtigt?

  • Entferntere Verwandte des Erblassers, wie Bruder und Schwester, Onkel, Tanten, Nichten und Neffen sind nicht pflichtteilsberechtigt.
  • Nicht pflichtteilsberechtigt ist der Lebenspartner, mit dem/der der Erblasser in „wilder Ehe“ zusammenlebte.
  • Kein Pflichtteilsrecht hat derjenige, der auch bei gesetzlicher Erbfolge nicht erbberechtigt wäre. Beispiel: Enkelkinder des Erblassers haben kein Pflichtteilsrecht, wenn zum Zeitpunkt des Erbfalls der eigene Elternteil (Vater, Mutter) noch lebt und deshalb vorrangig erbberechtigt ist.
  • Das Pflichtteilsrecht besteht nicht, wenn ein Erbe durch Erbvertrag auf sein Erbrecht verzichtet hat, ohne sich das Pflichtteilsrecht vorzubehalten (§ 2346 BGB).
  • … wer als gesetzlich berufener Erbe das Erbe ausgeschlagen hat.
  • … wer als Ehepartner das Ehegattenerbrecht verloren hat, weil der Erblasser die Scheidung eingereicht hat oder der Erblasser dem Scheidungsantrag des Ehepartners zugestimmt hat (§ 1933 BGB).
  • … wer zwar vom Erbe ausgeschlossen ist, aber mit einem Vermächtnis bedacht ist, das wertmäßig die Höhe des Pflichtteils erreicht.
  • … wenn der Erblasser einem Erben durch letztwillige Verfügung von Todes wegen den Pflichtteil aus den im Gesetz bestimmten Gründen infolge Erbunwürdigkeit entzogen hat (§ 2333 BGB).
  • … wer nach Eintritt des Erbfalls auf Antrag eines anderen Erben für erbunwürdig erklärt wurde (§ 2344 BGB).

Erbengemeinschaft so schnell wie möglich verlassen?

  • Ihren Erbanteil können Sie jederzeit und völlig unangekündigt verkaufen; Sie müssen keine Erlaubnis der Miterben einholen
  • Sie verlassen mit dem Verkauf die Erbengemeinschaft und bekommen den Verkaufserlös auf Ihr Konto
  • Schnelle Hilfe: Wenige Unterlagen genügen und Sie erhalten innerhalb von 48 Stunden eine Rückmeldung - unter Umständen sogar mit direktem Verkaufsangebot für Ihren Erbteil
  • Kostenfrei und 100% unverbindlich

Wie hoch ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, unabhängig davon, in welchem Verwandtschaftsverhältnis der Erbe zum Erblasser stand. In einem ersten Schritt ist also stets der gesetzliche Erbteil zu bestimmen. Der gesetzliche Erbteil ergibt sich aus dem Gesetz (§ 1924 BGB).

Beispiel: Der Erblasser war im Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet und hatte seine beiden Kinder 1 und 2 zum Alleinerben eingesetzt. Er hinterlässt also mit Ehepartner und zwei Kindern drei gesetzliche Erben. Nach der gesetzlichen Erbquote würde der überlebende Ehegatte die Hälfte des Nachlasses erben, die Kinder jeweils ein Viertel. Der Pflichtteil des überlebenden, aber „enterbten“ Ehepartners beträgt dann die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, also ein Viertel. Der Rest des Nachlasses von drei Viertel steht den als Alleinerben eingesetzten Kindern zu.

Wichtig zu wissen: Bei der Berechnung des Pflichtteils zu berücksichtigen, dass auch diejenigen Erben mitgezählt werden,
  • die durch letztwillige Verfügung von der Erbfolge ausgeschlossen sind,
  • die Erbschaft ausgeschlagen haben oder
  • für erbunwürdig erklärt wurden.
  • Wer hingegen den Erbverzicht erklärt hat, wird nicht mitgezählt.

Was ist die erbrechtliche und was ist die güterrechtliche Lösung?

Der Ehepartner kann zwischen der erbrechtlichen oder der güterrechtlichen Lösung wählen.

Lebte der überlebende Ehepartner mit dem Erblasser im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, erhält der Ehepartner zunächst ein Viertel des Nachlasses, soweit gemeinsame Kinder vorhanden sind. Neben Verwandten der zweiten Ordnung (Eltern und Geschwister des Erblassers) fällt ihm die Hälfte zu. Damit der während der Ehe erzielte Zugewinn des Erblassers zugunsten des überlebenden Ehegatten berücksichtigt werden kann, wird der gesetzliche Erbteil um ein weiteres Viertel pauschal erhöht. Der Ehepartner erhält dann mindestens die Hälfte des Nachlasses. Dies ist die erbrechtliche Lösung. Der danach verbleibende Erbteil wird auf die erbberechtigten Verwandten des Erblassers verteilt.

Es kann aber sein, dass der Erblasser während der Ehe einen besonders hohen Zugewinn erzielt hat, der über ein Viertel des gesamten Nachlasses hinausgeht. Da der überlebende Ehepartner dann mit der pauschalierten Erhöhung der Erbquote schlechter stehen würde als bei einer konkreten Berechnung des Zugewinns, empfiehlt sich in diesem Fall die güterrechtliche Lösung. Danach schlägt der überlebende Ehepartner die Erbschaft zunächst aus. Wegen der Ausschlagung steht ihm der Pflichtteil zu. Zum anderen kann er jetzt den konkret berechneten Zugewinn geltend machen.

Welche Rechte hat der Pflichtteilsberechtigte am Nachlass?

Der Pflichtteilsanspruch ist immer nur ein Geldanspruch gegen den Erben. Der Pflichtteilsberechtigte hat aber keinerlei Verfügungsbefugnis über die Nachlassgegenstände. Er wird nicht Miteigentümer der Nachlassgegenstände und nicht Teil einer Erbengemeinschaft. Verfügungsberechtigt ist ausschließlich der Erbe. Der Pflichtteilsanspruch hat also nur die Zahlung eines bestimmten Geldbetrages gegenüber dem Erben zum Inhalt.

Wichtig zu wissen: Der Erbe kann verlangen, dass die Auszahlung des Pflichtteils gestundet wird, wenn er zum Nachlass gehörende Vermögenswerte, etwa ein Handelsgeschäft, ein Unternehmen oder das Familienwohnhaus verkaufen müsste und dadurch seine Existenzgrundlage gefährdet würde. Über die Stundung entscheidet im Streitfall das Nachlassgericht.

Schenkungen werden auf den Pflichtteil angerechnet

Hat der Erblasser dem pflichtteilsberechtigten Erben in den letzten zehn Jahren eine Schenkung gemacht, wird diese Schenkung in den Pflichtteil eingerechnet.

Beispiel: Der Nachlass beträgt 100.000 €. Der Erblasser hinterlässt seine beiden Kinder. Der gesetzliche Erbteil beträgt jeweils 50.000 €. Schließt der Erblasser Kind 1 vom Erbfall aus, steht Kind 1 nur noch die Hälfte des gesetzlichen Erbteils als Pflichtteil zu. Kind 1 erhält dann nur noch 25.000 €. Hat der Erblasser diesem Kind zu Lebzeiten bereits 10.000 € geschenkt, wird der Betrag auf den Pflichtteil angerechnet. Kind 1 erhält dann nur noch 15.000 €.

Hat der Pflichtteilsberechtigte einen Auskunftsanspruch?

Wer pflichtteilsberechtigt ist, ist darauf angewiesen, die Höhe seines Anspruchs festzustellen. Deshalb ist der Erbe verpflichtet, über den Bestand des Nachlasses Auskunft zu erteilen. Der Pflichtteilsberechtigte kann verlangen, dass er bei der Aufnahme des ihm vorzulegenden Nachlassverzeichnisses hinzugezogen und dass auf Kosten der Erben der Wert des Nachlasses ermittelt wird. Außerdem kann er verlangen, dass das Verzeichnis durch einen Notar erstellt wird (§ 2314 BGB).

Was ist der Pflichtteilsergänzungsanspruch?

Es kommt vor, dass der Erblasser den Pflichtteilsanspruch dadurch beeinträchtigte, dass er in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod Vermögenswerte durch Schenkung an Dritte dem Nachlass entzogen hat. Dann kann der Pflichtteilsberechtigte als Pflichtteilsergänzungsanspruch den Betrag verlangen, um den sich der Pflichtteil erhöht, wenn der Wert der Schenkung dem Nachlass zugerechnet wird (2325 BGB).

Wie beziffert sich der Pflichtteil?

Der Pflichtteil bestimmt sich nach dem Wert des Nachlasses. Dazu ist auf die Verkehrswerte der Nachlassgegenstände zum Zeitpunkt des Erbfalls abzustellen. Spätere Wertsteigerungen oder Wertminderungen bleiben außer Betracht. Im Einzelfall kommt es auf die Art des Vermögenswertes an. Im Detail:
  • Nachlasswerte sind durch Schätzung zu ermitteln, es sei denn, der Wert eines Vermögensgegenstandes lässt sich leicht feststellen (Bargeld). Die vom Erblasser vorgegebene Wertbestimmung ist nicht maßgebend.
  • Der Wert eines Grundstücks richtet sich nach dem Zeitpunkt des Todes des Erblassers. Der Wert ist so zu ermitteln, als sei der Nachlass zum Zeitpunkt des Erbfalls in Geld umgesetzt worden. Ein sich aus einem Verkehrswertgutachten ergebender Wert muss nicht unbedingt entscheidend sein. Vielmehr ist in zeitnah mit dem Erbfall erzielter Verkaufserlös als ein zuverlässigerer und realitätsnäherer Wertbestimmungsfaktor regelmäßig einer gutachterlichen Wertermittlung vorzuziehen (BGH, Az. IV ZR 124/09).
  • Hat der Erblasser Vermögenswerte unter der Hand mit der Absicht verkauft, die Ansprüche des Pflichtteilsberechtigten zu reduzieren, kann der Pflichtteilsberechtigte diesen Verkauf beanstanden, wenn er beweist, dass ein tatsächlich erzielter Verkaufserlös nicht dem wahren Wert zum Zeitpunkt des Erbfalls entspricht.
  • Geht es um eine selbst genutzte Immobilie, werden nach dem Sachwertverfahren die Herstellungskosten erfasst und geschätzt, was es heute kosten würde, diese Immobilie zu bauen.
  • Ist ein Handelsgeschäft oder die Beteiligung an einem Unternehmen Teil des Nachlasses, ist auf den Firmen- oder Geschäftswert abzustellen.
  • Von den Aktiva sind die Verbindlichkeiten abzuziehen, die bereits vor dem Erbfall durch den Erblasser begründet war (Erblasserschulden) sowie solche, die durch den Erbfall entstanden sind (Erbfallschulden, wie Beerdigungskosten, Kosten der Testamentsvollstreckung oder Nachlassverwaltung).

Wann verjährt der Pflichtteilsanspruch?

Der Pflichtteilsanspruch verjährt in drei Jahren von dem Zeitpunkt an, an dem der Pflichtteilsberechtigte vom Eintritt des Erbfalls und dem Testament oder Erbvertrag des Erblassers Kenntnis erlangt hat, spätestens jedoch 30 Jahre nach dem Erbfall.

Erbengemeinschaft so schnell wie möglich verlassen?

  • Ihren Erbanteil können Sie jederzeit und völlig unangekündigt verkaufen; Sie müssen keine Erlaubnis der Miterben einholen
  • Sie verlassen mit dem Verkauf die Erbengemeinschaft und bekommen den Verkaufserlös auf Ihr Konto
  • Schnelle Hilfe: Wenige Unterlagen genügen und Sie erhalten innerhalb von 48 Stunden eine Rückmeldung - unter Umständen sogar mit direktem Verkaufsangebot für Ihren Erbteil
  • Kostenfrei und 100% unverbindlich

Zu guter Letzt

Steht das Pflichtteilsrecht zur Debatte, geht es darum, dass ein gesetzlicher Erbe von der Teilhabe am Nachlass ausgeschlossen werden soll. Auch wenn es dafür gute Gründe geben kann, sollten Sie als potentieller Erblasser darauf achten, dass der Familienfriede bewahrt oder zumindest nicht noch weiter beeinträchtigt wird. Sind Sie pflichtteilsberechtigter Erbe, sollten Sie sich genau informieren, wie Sie Ihr Recht strategisch und menschlich am besten realisieren.
Erbengemeinschaft so schnell wie möglich verlassen?*